SGS Field Camp 2014

(von Lennart)

Nischni Nowgorod, 4. – 8. August 2014

Die Vorbereitungen für das Forschungsprojekt begannen etwa ein Jahr vorher. Der damalige Präsident unseres SEG Student Chapters berichtete vom Interesse einiger russischen Studenten, mit uns ein gemeinsames Projekt durchzuführen. Mangels Zeit stand er dafür nicht zur Verfügung und fragte deshalb, ob es andere Interessenten bei uns für die Zusammenarbeit gebe. Ich fand seine Beschreibungen sehr interessant und sagte ihm zu, das übernehmen zu wollen.

Da es noch keine konkrete Idee für unsere Zusammenarbeit gab, musste gemeinsam mit unseren russischen Kommilitonen erst einmal ein geeignetes Forschungsobjekt gefunden werden. Nach längerem Überlegen kam die Idee auf, Archäologen in Nischni Nowgorod bei ihren Ausgrabungen durch geophysikalische Anwendungen zu unterstützen: Nahe der Stadt befindet sich eine Ausgrabungsstätte, die auf das 4. Jahrhundert n. Chr. datiert wird. Seit 2010 finden an dieser Stelle, die zum Nationalen Kulturerbe der Russischen Föderation ernannt wurde, Ausgrabungen statt, bei denen mittlerweile 18 Gräber mit menschlichen und tierischen Knochen, sowie 284 weitere vergrabene Objekte, wie etwa Schmuck, Waffenteile und andere Grabbeigaben, entdeckt wurden. Um die Suche nach weiteren geeigneten Ausgrabungsstellen zu erleichtern, wollten wir verschiedene geophysikalische Methoden anwenden, welche es den Archäologen dann erlauben gezielter zu graben. Da die russischen Teilnehmer teilweise aus Nischni Novgorod kamen, war der Kontakt zu den örtlichen Archäologen schnell hergestellt.

Zur Anwendung kamen die Geomagnetik, Geoelektrik (ERT), Georadar (GPR) und oberflächennahe Seismik. Jedem Teilnehmer wurde eine Messmethode zugeteilt, für die er in Verantwortung für die erfolgreiche Durchführung stand. Neben uns 3 Teilnehmern aus Deutschland waren noch 4 Komillitonen aus Russland mit der Feldarbeit beschäftigt. Dazu hatten wir großartige Unterstützung von Kollegen, die uns das Messequipment zur Verfügung stellten, sowie Mitarbeitern der beteiligten Institute.

Das Messgebiet lag etwa 40 km südwestlich von Nischni Nowgorod und die Fahrten waren jedes Mal ein bemerkenswerter Teil unseres Arbeitstages. Um die zu untersuchende Stelle zu erreichen, mussten Wald und Wiesen überwunden werden, und das in einem normalen PKW. In der Gegend gibt es mehrere Fundstellen altertümlicher Relikte und wir einigten uns auf einen Bereich nahe einem Waldrand, welcher 9 m x 15 m misst. Da wir für einige Anwendungen einen Messabstand von 25 cm festlegten, umfassten die Kampagnen teilweise bis zu 2257 Messpunkte über 37 Profile verteilt. Deshalb benötigten wir auch die vollen 5 Tage, für die das Field Camp anberaumt war und in denen wir das Messgebiet mittels aller 4 geophysikalischen Anwendungen engmaschig untersucht haben. Die ersten Resultate der Messungen sahen demnach bereits vielversprechend aus. Der umfangreiche Bericht samt Auswertung und Interpretation unserer Arbeit kann über uns erfragt werden. Da die etwaigen Grabungsarbeiten an dieser Stelle wohl erst 2015 beginnen, müssen wir uns aber mit der endgültigen Gewissheit, ob wir neue Schätze gefunden haben (oder auch nicht) noch etwas gedulden.

Einen Bericht, den das russische Fernsehen über unsere Arbeit drehte, könnt ihr euch hier ansehen.

Obwohl die Vorbereitungs- und Organisationsphase zeitweise sehr viel Aufwand und Zeit in Anspruch nahm (dabei auch manchmal einigen Frust erzeugte), möchte ich jedem Interessierten empfehlen, solch eine Forschungsarbeit in Angriff zu nehmen. In allen Phasen des Projekts habe ich Neues hinzugelernt. Zudem haben wir in Russland viele neue freundschaftliche Kontakte geknüpft, von denen wir hoffen, dass sie langfristig Bestand haben werden. Dafür wäre es wünschenswert, wenn sich weitere geowissenschaftlich interessierte Leute finden würden, die Lust und den Willen haben, die weitere Zusammenarbeit mit unseren internationalen Kollegen zu intensivieren. Dass wir unser Forschungsprojekt realisieren konnten, verdanken wir unserem Verein, der Student Geoscientific Society e.V., sowie unseren russischen Kollegen des Institute of Applied Physics in Nischni Nowgorod. Ohne deren finanzielle Unterstützungen hätten wir die Reise nach Russland nicht antreten können. Außerdem danke ich unseren Vereinskollegen Jan und Martin, mit denen ich das Abenteuer organisiert und durchgezogen habe und die ebenfalls zahllose Stunden in das Gelingen des Field Camps investiert haben. Ein extragroßer Dank gebührt unseren russischen Freunden, die uns ein großartiger Gastgeber waren und sich unermüdlich um unser Wohlergehen kümmerten! большо́е спаси́бо!

Fotos: SGS